FOHLENKRANKHEITEN - NABELBRUCH



Den höchsten Anteil an Patienten mit Nabelbruch (Hernia umbilicalis) sind Fohlen.
Die Symptome zeigen sich erst zehn bis 14 Tage nach der Geburt. Man sieht vor und hinter der Nabelnarbe, mittig des Unterbauches, einen Spalt, der zwar unter der Haut verborgen ist, aber dennoch so groß ist, daß man ihn leicht mit den Fingern ertasten kann. Weiterhin ist der Bauch an dieser Stelle leicht angeschwollen. Wesentlich deutlicher wird die Schwellung in der Nabelgegend erst ab der dritten bzw. vierten Lebenswoche. Sie ist halbkugel- oder eiförmig und fingerkuppen- bis faustgroß. In seltenen Fällen erreicht sie die sogar den Umfang eines großen Kürbis.

Manche Beulen sind weich und lassen sich mit den Fingern leicht in die Bauchhöhle zurückschieben. Das Fohlen ist weder schmerzempfindlich noch ist die Beule wärmer als die Umgebung.
Besonders am Bauch erwachsener Nabelbruch-Patienten prangen häufig Beulen, die wärmer sind als die umliegende Haut und bei Berührung schmerzen. Solche Schwellungen fühlen sich hart an und können meist nicht mehr in die Bauchhöhle zurückgeschoben werden. Außerdem leiden viele Pferde dann an heftigen Kolik-Symptomen. Die Tiere sind extrem unruhig, zittern, schwitzen stark und wälzen sich vor Schmerzen. Auch erhöhte Temperatur ist festzustellen. Häufig schlägt die Ruhelosigkeit in Apathie um.


URSACHEN FÜR DEN NABELBRUCH




  • Erbfehler - zu große Nabelpforte
  • Entzündung des Nabelstranges, der nicht normal vernarbt und die Nabelpforte nicht verschließt
  • unfachmännische Desinfektion des Nabels durch den Züchter o. dem Tierarzt
  • zu kräftiger Zug während der Geburt am Nabelstrang
  • Tritte oder Schläge gegen den Bauch des erwachsenen Pferdes
  • Stutfohlen sind anfälliger für Hernien als Hengstfohlen



KRANKHEITSVERLAUF




Nabelbrüche gelten als unberechenbar. Bei manchen Fohlen schließt sich die Bruchpforte nachträglich und der Nabelbruch verschwindet von selbst. Dies geschieht in der Regel in den ersten drei bis vier Lebensmonaten.
Bei anderen Fohlen bleibt die Bruchpforte weit offen. Dann wird der Bruchsack größer, je mehr das Fohlen wächst.
Jeder zunächst harmlose, nicht inkarzerierte Nabelbruch kann zur Bedrohung werden, sobald ein Stück Darm aus der Bauchhöhle rutscht und zwischen Bruchsack und Bruchpforten-Rand eingeklemmt wird. In einem solchen Fall besteht akute Lebensgefahr !!!
Bei inkarzerierten Nabelbrüchen wird der eingeklemmte Darmabschnitt in der Regel nicht mehr durchblutet. Er stirbt ab und zersetzt sich. Dabei entstehen Gifte. Wird das Pferd nicht sofort behandelt, stirbt es nach 24 bis 36 Stunden an Selbstvergiftung, Bauchfellentzündung und eitriger Allgemeininfektion.



BEHANDLUNG


Bei nicht inkarzerierten Nabelbrüchen kann man zunächst abwarten, ob sie innerhalb der nächsten drei bis vier Lebensmonate von selbst verschwinden. Geschieht dies nicht, wird auch der nicht inkarzerierte Nabelbruch ein Fall für den Tierarzt. Wenn sie etwa ein Jahr alt sind, sollte man sie behandeln, sonst sind sie ihr Leben lang der Gefahr ausgesetzt, daß sich ein Stück Darm einklemmt und eine lebensgefährliche Kolik auslöst. Der Nabelbruch sollte regelmässig kontrolliert werden, um rechtzeitig den Tierarzt rufen zu können und das Schlimmste zu verhindern. Dafür gibts einen einfachen Test:

Wenn Sie den Bruchsack mit dem Finger problemlos in den Bauch hineindrücken können, haben Sie den Beweis, daß der Nabelbruch nicht inkarzeriert ist. Ansonsten ist vermutlich ein Stück Darm eingeklemmt !



Sowohl beim inkarzerierten als auch beim nicht inkarzerierten Nabelbruch ist die OP das Mittel der Wahl.
Notfalls müssen auch schon ganz junge Fohlen unter das Messer. Falls möglich sollte man warten, bis das Tier vier bis sechs Monate alt ist. Dann verträgt es nicht nur die Narkose besser, sondern auch die Bauchdecke ist bereits so stabil, daß die Operationsnähte nicht reißen werden.
Ungünstig ist es aber, die OP herauszuschieben bis das Pferd ein Jahr oder älter ist. Je älter das Tier ist, um so schwieriger ist der Bruchsack zu operieren.
Nach der Operation braucht das Fohlen zwei bis sechs Wochen Boxenruhe. Durch die eingeschränkte Bewegung, vermindert sich das Risiko, daß die Operationsnaht aufreißt. Bei erwachsenen Pferden erfordert die Boxenruhe bis zu 12 Wochen, aufgrund der größeren Wunde.
Früher wurden Nabelbrüche mit scharfen, z.b. jodhaltigen Salben eingerieben. Dies löst künstliche Entzündungen aus, nach deren Abklingen das Gewebe vernarbt und sich die Bruchpforte schließt. Allerdings ist diese Methode schmerzhaft wie das tierschutzwidrige Blistern und sollte nicht angewandt werden. Außerdem können sie die Operation erschweren, die dann oft doch unumgänglich ist.





VORBEUGUNG




Eine gezielte Vorbeugung ist nicht möglich. Allerdings kann das Nabelbruch-Risiko nach der Geburt verringert werden, indem man penibel auf Nabelhygiene achtet. Dazu gehört, den Nabel mit sterilen Händen und Jodtinktur zu desinfizieren, damit er möglichst schnell trocknet. Ein feuchter Nabel wirkt wir eine Einladung für Bakterien !!!!




©Autor: Irene Schmidt - Mai 2003