HENGSTAUSWAHL

Beginn der Frühjahrszeit ist auch Beginn der Decksaison








Zum Frühjahr hin fängt ein jeder Besitzer oder Züchter des arabischen Pferdes an, sich Gedanken über eine erste- oder erneute Bedeckung seiner Zuchtstute(n) zu machen. Die ersten Fohlen sind bereits- oder werden in absehbarer Zeit geboren. In den Fachzeitschriften werden schon seit Anfang des Jahres Deckanzeigen der Hengstbesitzer veröffentlicht. Die Auswahl ist groß und entsprechend schwierig. Woher soll man genau wissen, welche Qualitäten der inserierte Hengst tatsächlich hat – bzw. welche Mängel ? Selbst bei einer Besichtigung des Hengstes, der zurechtgemacht ist und sich imposant und beeindruckend zeigt - wer kann schon genau beurteilen, ob- und welche Fehler der Hengst hat? Ein Schauchampion muss nicht auch ein guter Vererber sein!

Aufgrund der oben genannten Problematik sollte der Stutenbesitzer auch die Rittigkeit des Hengstes in Augenschein nehmen. Immer mehr wird der Vollblutaraber im Sport; sei es Reiten oder Fahren eingesetzt. Die Veranlagung des Hengstes als Vatertier spielt da eine nicht unerhebliche Rolle für die Veranlagung des künftigen Fohlens.

Eine der besten Möglichkeiten zu beurteilen, ob der Hengst zur Zucht eingesetzt werden sollte, ist es, nach dem Ergebnis der Verbandshengstschau zu fragen. Dort werden die Hengste von ausgesuchten, erfahrenen Richtern beurteilt auf ihre Zuchttauglichkeit.

>Nach 1989 wurde die staatliche Körung abgeschafft. Der Verband der Züchter des Arabischen Pferdes e.V. veranstaltet seitdem jeweils im Frühjahr und im Herbst die sogenannten Verbandshengstschauen.
>Das Mindestalter der Hengste, die dort vorgestellt werden liegt bei 2 Jahren, nach oben hin ist keine Grenze gesetzt. Die Mindestwiderristhöhe liegt bei 1,50 cm. Auf der Verbandshengstschau werden nachfolgende Kategorien bewertet:

- Rasse und Geschlechtstyp, - Qualität d. Körperbaus, - Korrektheit d. Ganges, - Schwung u. Elastizität,

- Schritt, - Gesamteindruck u. Entwicklung, - Gesamtbewertung, - Kopf u. Hals, - Sattellage, - Rahmen,

- Vordergliedmaßen, - Hintergliedmaßen.

Die Bewertungsskala liegt zwischen 1 – 10 Pkt.

Nach Beurteilung der Hengste wird der Hengst je nach Ergebnis entweder mit einer

  • "weißen" Schleife ( befriedigendes Ergebnis zur Zucht geeignet )
  • "silbernen" Schleife ( gutes Ergebnis zur Zucht empfohlen )
  • " goldene" Schleife ( prämiert, sehr gutes Ergebnis, zur Zucht empfohlen)

Alle anderen Hengste, die nicht in die Verleihung einer der o.g. Schleifen kommen, werden lediglich beim Verband der Züchter des Arabischen Pferdes e.V. als Hengst eingetragen dürfen aber, nach Wegfall des Körgesetzes, trotzdem zur Zucht eingesetzt werden.

Es ist nicht richtig, wenn in den Deckanzeigen steht "gekört" und der Hengst lediglich eingetragen ist oder eine weiße bzw. silberne Schleife vorweisen kann. Diese Hengste sind nicht "gekört"!!!!
Sie sehen, Nachfragen ist auf jeden Fall wichtig.

Wenn man sich die Deckanzeigen anschaut, stellt man teilweise unglaubliche Preisunterschiede für einen Decksprung fest. Woran das liegt, fragen Sie sich?

Einige der Gründe dafür sind:

  • Der Hengst selber ist ein mehrfach erfolgreicher Champion auf nationalen/ internationalen Schauen gewesen und dies verursacht natürlich für den Hengstbesitzer einen enormen finanziellen Aufwand.
  • Die Abstammung des Hengstes ( erfolgreiche Eltern u. Grosseltern)
  • Die erfolgreiche Nachzucht
  • Goldprämierung auf der Verbandshengstschau etc.
  • Der Hengst ist geritten bzw. gefahren oder hat sogar die Leistungsprüfung erfolgreich abgelegt

Es ist verständlich, daß ein solcher Deckhengst der die besten Voraussetzungen mitbringt für die Zucht auch mehr Deckgeld erfordert, wie einer der all diese Voraussetzungen nicht hat.



Eine weitere sehr gute Möglichkeit, den zukünftigen Vater seines Fohlens zu finden, sind die "Hengstschauen", die zum Frühjahr angeboten werden. Hier haben Sie die Möglichkeit, verschiedene Hengste vorgestellt zu bekommen, durch Reitvorführungen die Rittigkeit beurteilen zu können und mit den Besitzern oder Pächtern persönlich zu sprechen ohne kreuz und quer durch´s Land fahren zu müssen.

Aufgrund des schlechten Absatzmarktes sollte die Auswahl des Hengstes sehr sehr sorgfältig erfolgen !


Autor: Irene Schmidt

Februar/2003