FOHLENKRANKHEITEN - HARNBLASENRUPTUR
Besonders bei Hengstfohlen kommt
es unter der Geburt nicht selten zu einer Ruptur der Harnblase, aber auch
Stutfohlen können daran erkranken. Infolge der Zerstörung der
Blasenwand kommt es zu einer Urämie (Harnvergiftung), an die die Fohlen
nicht selten sterben.
URSACHEN:
Eine Blasenruptur kann bei Fohlen aller Rassen auftreten. Häufig ist ein
Zusammenhang mit einer schweren und verschleppten Geburt zu sehen. Aber auch
scheinbar normal und unbelastet geborene Fohlen können daran erkrankt
sein. Die Ruptur der Blase ist in Zusammenhang mit kongenitalen Defekten oder
einem Trauma unter der Geburt zu sehen. Durch die in der Austreibungsphase von
der Gebärmutter auf den Fetus ausgeübten starken Kräfte kann es
beim Passieren des Beckenraumes zu einer Zerreißung der Wand der meist
mässig gefüllten Blase kommen. Ein besonderer Druckpunkt des Beckens,
der dazu führen kann, ist der Pecten ossis pubis bei einer normalen
Geburtsstellung. Durch die großen Kräfte, die durch die Uteruswand
auf das Fohlen ausgeübt werden, kommt es zu einer Drucküberlastung an
der Blasenwand. Die Blase des Neugeborenen wird durch das Becken der Stute in
den Beckenraum des Fohlens gepreßt. Besonders gefährdet sind Fohlen
mit Mißbildungen der Blasenwand, so daß man bei chirugischer
Therapie häufig auch Veränderungen an der Blasenwand findet.
PATHOLOGISCH-ANATOMISCHE
VERÄNDERUNGEN:
Man sieht häufig Rupturen
im Bereich des dorsokranialen Rand der Blase, da dort die Wand ihre
dünnste Stelle hat. Im Bereich des Blasenhalses findet man meist
Hämatome in der Blasenwand, da dieser Bereich bei der Geburt an das fetale
Schambein gedrückt wird. Bei dem Bestehen der Blasenruptur entstehen alle
Zeichen des Uroperitoneums ( Harnödem/Harnphlegmone). Es entsteht eine
eitrige Bauchfellentzündung mit Blutungen auf allen Organen der
Bauchhöhle. Bei nicht rechtzeitigem chirugischen Eingreifen sterben die
Fohlen an Harnvergiftung (Urämie) und Bauchfellentzündung.
SYMPTOMATIK:
Die Fohlen verhalten sich
zunächst in den ersten 24 - 48 Stunden nach der Geburt völlig normal.
Eine Veränderung im Harnabsatz fällt den Besitzern zunächst
nicht auf. Die Fohlen saugen normal und zeigen keinerlei
Abnormalitäten.
Ein bis drei Tage nach der Geburt sieht man die ersten klinischen
Erscheinungen. Die Fohlen werden zunehmend apathisch, saugen weniger und liegen
viel. Oft besteht leichter Penisvorfall, und die Tiere zeigen häufig
leichte bis mittlere Koliksymptome. Entgegengesetzt zur allgemeinen
Vorstellung, können die betroffenen Fohlen teilweise sogar noch im Strahl
Urin absetzen. Dies betrifft aber nur einen Teil des anfallenden Urins, der
verbleibende größere Anteil führt zu einer birnenförmigen
Auftreibung des Bauches, bei dem eine Fluktuation nachgewiesen werden kann. Mit
Fortschreiten der Urämie zeigen die Fohlen eine steigende Herz- und
Atemfrequenz. Der prall gefüllte Adominalraum ( Bauchhöhle ) kann zu
einer erschwerten Atmung führen.
Bei genauer Beobachtung des Harnverhaltens kann man jedoch häufig das
Fohlen in Harnabsatzstellung vorfinden, jedoch kann man bemerken, daß
zwar Anfangs ein kurzer Harnstrahl abgesetzt wird, der in Träufeln
übergeht und versiegt, obwohl das Fohlen weiterhin in dieser Stellung
verbleibt.
DIAGNOSE:
Eine eindeutige Diagnose an Hand
der Symptome fällt meist schwer. Das gefüllte Abdomen mit deutlicher
Fluktuation sollte wichtige Hinweise geben. Bei einem begründeten Verdacht
kann eine Punktion des Bauchraumes Klärung bringen. Auch eine
Blutuntersuchung - wobei der Kreatingehalt das aussagekräftigste Parameter
ist (das Verhältnis von Serum - zu Peritonalkreatinin steigt über 1:2
!)ist.
Mit Hilfe einer Röntgenuntersuchung kann oft die Diagnose eindeutig
gestellt werden. Dabei kann im Stehen der Flüssigkeitsspiegel nachgewiesen
und durch die retrograde Füllung der Blase mit sterilem Kontrastmittel die
Rupturstelle dargestellt werden. Auch eine Ultraschalluntersuchung kann der
Diagnosefindung dienen.
Es ist aufgrund des ähnlichen klinischen Bildes vor allem die
Mekoniumsverhaltung ( Darmpechverhaltung ) abzugrenzen.
BEHANDLUNG:
Die Therapie kann nur chirugisch
erfolgen. Die Blasenwand wird vernäht und es ist günstig einen
Verweilkatheder für mindestens 2 Tage zu legen um die Blasenwand zu
entlasten und das Risiko einer erneuten Rissbildung zu verhindern.
Bei frühzeitiger Diagnose und chirugischer Behandlung ist die Prognose
güngstig.
©Autor: Irene Schmidt -
Juni 2003
|