Geht es um den genauen Abfohltermin, machen tragende Stuten es manchmal nicht leicht. Denn den exakten Abfohltermin bestimmt alleine die werdende Mutter. Erscheint ihr die Umgebung für den Nachwuchs nicht geeignet, oder das Wetter zu kalt, kann sie die Geburt um Tage herauszögern. Züchter sollten daher unbedingt für eine ruhige Umgebung im Stall sorgen. Wichtig ist hierbei die Abfohlbox ! In der Praxis kann man keine keimfreien Geburtsverhältnisse schaffen. Man sollte sich aber bemühen, durch entsprechende Hygienemaßnahmen die Infektionsgefahr im Augenblick der Geburt so niedrig wie möglich halten. Ungefähr 3 Wochen vor dem Abfohltermin wird bei uns die Stute in die Abfohlbox gestellt. Dies sollte nicht erst in den letzten Tagen vor der Geburt erfolgen, denn zum einen kann sich die Stute nicht in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen und zum anderen ist es ihr nicht möglich als Reaktion auf spezifische Keime der betreffenden Box rechtzeitig Antikörper zu bilden, die über das Kolostrum dann an das Fohlen weitergegeben werden. Aus diesem Grund lassen wir die Stute und das Fohlen auch nach dem Abfohlen in dieser Box. Die Abfohlbox sollte geräumig sein und muss vor dem Geburtstermin gründlich gereinigt, desinfiziert und gelüftet sein. Wir streuen die Box reichlich mit nicht zu langem Stroh ein, wobei die Einstreu zu den Seiten hin erhöht wird. Man darf nicht zu langes Stroh einstreuen, da man dadurch die ersten Gehversuche des Fohlens erschweren würde. Die Box sollte in Form eines Nestes eingestreut werden, damit die Stute sich zum Abfohlen nicht gegen die Wand lehnt und somit die Eihäute nicht aufreissen können. Ein weiterer wichtiger Punkt zur Geburtsvorbereitung ist die Frage: WELCHE DINGE MUSS DER ZÜCHTER SCHON VOR DER GEBURT BEREITLEGEN UM EINEN REIBUNGSLOSEN GEBURTSABLAUF ZU GEWÄHRLEISTEN ?
Der Geburtskasten sollte in unmittelbarer Nähe der Abfohlbox bereitstehen, denn braucht man im Notfall irgendetwas daraus, ist in der Regel keine Zeit diesen erst von weit her zu holen. DIE ANZEICHEN DER BEVORSTEHENDEN GEBURT Bei vielen Stuten treten einige Tage vor der Geburt die s.g. Harztropfen am Gesäuge auf. Hierbei handelt es sich um harzartige, klebrige Tröpfchen an den Ausgängen der Zitzen. Ein weiteres wichtiges Zeichen für die nahende Geburt ist das Einfallen der Beckenbänder. Kurz vor der Geburt fallen die Harztropfen ab und die Milch beginnt zu laufen. Zu dieser Zeit sollten der Stute, falls sie beschlagen ist, die Hufeisen abgenommen worden sein. Sie stellen eine große Gefahr für das neugeborene Fohlen dar. Der Schweif der Stute, die Scheide und das Gesäuge werden vor der Geburt mit einer milden Seifenlösung gewaschen. Danach flechten wir den Schweif ein, dies beugt eine Ansteckung der Gebärmutter nach der Geburt vor, da die Stute beim Aufstehen Luft in die Gebärmutter einsaugt und somit Schmutzpartikel dort hineingelangen können. Die Fohlengeburt wird in 2 Abschnitte unterteilt:
Den Abschluss der Geburt bildet die Austreibung der fötalen Hüllen - der Abgang der Nachgeburt. Sie löäst sich von der Gebärmutterwand durch nochmalige starke Kontraktionen ( Wehen ) der Gebärmutter. Schaut man sich die Nachgeburt genauer an, kann man erkennen, daß die Innenseite nach außen gestülpt ist, da das Fohlen am Nabelstrang gezogen hat. Man kann auch bei der Nachgeburt auch manchmal das "Fohlenbrot" finden. Es sieht aus wie eine kleine Leber und schwimmt während der Trächtigkeit in der Geburtsflüssigkeit. Es ist ein Stoffwechselrückstand, der sich allerdings schnell zersetzt und dann nicht mehr zu finden ist. Früher setzte der Gutsherr dem Stallmeister eine Belohnung aus wenn er ihm das Fohlenbrot brachte, denn es setzt eine gute Beobachtung der Nachgeburt voraus.
Die drei gefährlichsten Infektionsstellen beim neugeborenen Fohlen sind Nase - Maulhöhle und Nabel. Man sollte die Stute und ihr Fohlen nach der Geburt ruhig liegen lassen und sie möglichst wenig stören, denn dadurch verhindert man ein frühzeitiges Aufstehen der Stute und damit ein zu frühzeitiges Reißen der Nabelschnur. Es soll auf natürliche Weise erst dann reißen, wenn das Blut nicht mehr durch die Gefäße der Nabelschnur fließt. Die Nabelschnur reißt an der dafür vorgesehenen Sollbruchstelle. Dem Fohlen geht ansonsten gerade in diesen kritischen Minuten seines Lebens - dem Übergang von der Versorgung durch Blut - zur Lungenatmung, ein Teil dieses Lebenselixiers verloren den keine noch so teuere Vitaminspritze vollwertig ersetzen kann. Der Nabelstrang an dem das Fohlen hängt ist ca. 80 - 100 cm lang. Seine Länge ermöglicht dem Fohlen die Sauerstoffversorgung bis zum Reißen der Sollbruchstelle. Diese ist ungefähr 6 - 8 cm vom Bauch des Fohlens entfernt. Der Nabel ist die gefährlichste Eintrittsstelle für Infektions- und Fohlenkrankheiten. Eine Nabelbehandlung ist daher unbedingt notwendig. Sie geschieht durch das Eintauchen des Nabelstumpfes in Jodtinktur. Beim Desinfizieren sollte der Nabelstumpf nicht berührt werden. Nach ca. 20 - 30 Minuten wird der Nabelstumpf mit Blauholztinktur rundum eingesprüht. Danach sollte man Fohlen und Mutter Ruhe gönnen.
Das gesunde Fohlen versucht bald aufzustehen was ihm
nach einigen Versuchen auch gelingen wird. Es ist notwendig, daß das
Fohlen die erste Milch der Stute - die Kostralmilch ( Biestmilch ) erhält.
Der Mensch und viele Tiere erhalten eine Immunität noch vor der Geburt
durch die Weitergabe von Abwehrstoffen durch die Mutter zum Fötus.
Junge Stuten sind bisweilig kitzelig und wollen das Fohlen nicht saugen lassen. Ein Festhalten am Halfter, sowie ein beruhigendes Zureden genügen in den meisten Fällen. Im Notfall wird beim ersten Saugen ein Vorderbein der Stute hochgehalten. Bei sehr aufgeregten und nervösen Stuten empfiehlt es sich, eine Beruhigungsspritze durch den Tierarzt geben zu lassen. Bei richtiger Behandlung wird sich die Stute schnell an das Fohlen und das Saugen gewöhnen. Wir lassen in der ersten Nacht in der Abfohlbox eine Notbeleuchtung ( ca. 15 Watt ) brennen. MILCHBANK IHNEN UND IHREN FOHLEN VIEL
GLÜCK! Autor: Reinhild Moritz -
Pferdewirtschaftsmeisterin Gestüt Kauber Platte & Anton Baumann -
Ausbildungszentrum Kauber Platte |