DIE BEDECKUNG DER STUTE - FRISCHSPERMA, NATURSPRUNG ODER TIEFGEFRIERSPERMA




VORBEREITUNG DER STUTE AUF DIE BEDECKUNG


Tupferprobe


Die Stute hat gefohlt - es empfiehlt sich in der Fohlenrosse eine Tupferprobe durch den Tierarzt vornehmen zu lassen um mögliche Infektionen der Gebärmutter auszuschließen. Bei einer Neubedeckung durch den Hengst Ihrer Wahl wird auch das Tupferprobenergebnis bei Anlieferung der Stute gefordert um sicherzustellen, daß die Stute frei ist von möglichen Geschlechtskrankheiten, die sie im zweifelsfall an den Hengst, durch den Deckakt, weitergeben kann. Auch s.g. Maidenstuten (Jungstuten die zum ersten Mal gedeckt werden sollen) sollten getupfert werden. Manche Hengstbesitzer verlangen auch in diesem Fall ein entsprechendes Attest.
Eine Ultraschall-Untersuchung um festzustellen ob bereits ein Follikel reift bzw. um abschätzen zu können wann der Eisprung stattfindet wäre sinnvoll.




DIE BEDECKUNG



Bei der Bedeckung von Stuten gibt es mittlerweile 3 Möglichkeiten:

  1. der Decksprung des Hengstes an der Hand – natürliche Paarung
  2. Frischspermaübertragung
  3. Tiefgefrierspermaübertragung


Die gängigste Methode ist die des Decksprunges an der Hand. Hierbei wird der Hengst durch den Hengsthalter ( auf großen Gestüten der Hengstmeister ) an die rossige Stute geführt und springt auf. Die Stute ist entsprechend vorzubereiten, d.h. den Schweif entsprechend zu bandagieren und zur Seite zu binden damit er nicht störend einwirkt. Das vorherige sanfte Abwaschen der Scheide und des Afters um jegliche evtl. Verunreinigungen zu beseitigen sollte genauso selbstverständlich sein wie das behutsame Reinigen des Schlauches vor einem jeden Deckakt.

Eine dritte Person dabei zu haben, die evtl. den Penis des Hengstes dirigiert um einen komplikationslosen Deckakt zu garantieren ist sicherlich von Vorteil.

Hat die Stute ein Fohlen bei Fuß, ist es sicherlich ratsam, daß Fohlen für die kurze Dauer des Decksprunges in der Box zu belassen, oder es durch einen Helfer festzuhalten, so daß die Mutter es sehen- es aber nicht die Bedeckung behindern kann. Teilweise kann es auch zu Scheidenverletzungen durch den Decksprung kommen, sollten sich also im Anschluß an die Paarung Blutaustritt aus der Scham oder Blutspuren am Penis des Hengstes zeigen, ist eine sofortige Tierärztliche Untersuchung ratsam um die Ursache der Blutungen festzustellen.

Es gibt Stuten, die lassen sich nur einmal bedecken, es gibt aber auch Stuten die den Hengst mehrmals in der Rosse dulden. In beiden Fällen hat die Häufigkeit der Bedeckungen nichts mit dem Deckergebnis zu tun.



FRISCHSPERMA-BESAMUNG



Der Samen wird mittels einer künstlichen Scheide (Scheidenplastik) gewonnen, in die der Hengst ejakuliert. Verwendet wird er als Frisch- oder Tiefgefriersamen. Frischer Samen kann bei Raumtemperatur bis zu einer bzw. zwei Stunden vor der Besamung aufbewahrt werden. Diese Möglichkeit empfiehlt sich, wenn der Transport zu der zu besamenden Stute innerhalb von 2 Stunden nach der Samengewinnung stattfindet.



TIEFGEFRIERSAMEN



Hierbei wurde dem Samen ein spezieller Verdünner(Transportmittel) beigefügt, der auch über antimikrobielle Zusätze verfügt. Abschließend wird der Samen bei – 196 C tiefkonserviert in flüssigen Stickstoff. Dies hat die Vorteile, daß der Samen über eine größere Distanz ( z.B. Ausland ) verschickt werden kann. Ein weiterer Vorteil liegt in der Tatsache, daß die Spermaqualtität des Hengstes genauestens überprüft wurde, bevor er zum Absamen zugelassen wurde. Diese Spermakontrollen und Qualtitätsprüfung finden Sie nur in dieser Form der künstlichen Besamung. Kaum ein Hengstbesitzer der seinen Hengst im Natursprung decken lässt kommt auf die Idee, die Spermaqualität seines Hengstes zu überprüfen.



Die Vorteile der Künstlichen Befruchtung (KB) liegen in:

  • Verminderung von Deckunfällen
  • Verhinderung von Verbreitung von Infektionskrankheiten
  • Bei Bestandskrankheiten (Virusabort o.ä.) können gewünschte Paarungen ausgeführt werden ohne das die Stute ihren Heimatstall verlassen muß
  • Reduktion von Gebärmutterinfektionen von Problemstuten
  • Problemlose Bedeckung von Maidenstuten, die sich durch das Imponiergehabe des Deckhengstes ängstigen und so für sich selbst, den Deckhengst sowie für das Personal zur Gefahr werden
  • Bedeckung von Stuten in der Fohlenrosse, da durch die künstliche Besamung die Keimbesiedlung der Gebärmutter während des Deckaktes sowie die mechanische Reizung (Verletzungen) herabgesetzt werden und andererseits antimikrobielle Zusätze im Samenverdünner das bakterielle Wachstum einschränken können.
  • Keinerlei Umgewöhnungsprobleme der Stuten, da sie im Heimatstall besamt werden
  • Keine Transporte von Stuten mit Fohlen bei Fuß, da der Samen zur Stute kommt

Autor: Irene Schmidt

Februar/2003